Förderung der Motorik bei Kindern

Die motorische Entwicklung von Kindern beginnt bereits im Mutterleib. Es gibt viele Möglichkeiten, diese zu fördern.

Hat das Kind dann das Licht der Welt erblickt, gibt es gewisse Entwicklungsschritte, die ein Kind im Laufe der Zeit nehmen sollte. Dass dies heute nicht mehr selbstverständlich ist, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Versicherung. Hier wurden die Erfahrungen von Kinderärzten unter anderem zu der Frage, ob in der Zeit von 2002 bis 2011 die motorischen Fähigkeiten von Kindern nachgelassen haben, abgefragt.

34 % der befragten Kinderärzte gaben an, dass aus Ihrer Sicht motorische Defizite bei Kindern in den benannten 10 Jahren stark zugenommen hätten. Immerhin noch 53 % der Kinderärzte gaben an, dass motorische Defizite bei Kindern in diesen 10 Jahren etwas zugenommen hätten. Damit haben 87 % aller Kinderärzte angegeben, dass die Fälle von motorischen Defiziten bei Kindern auf jeden Fall zugenommen haben. Falsches Fernsehverhalten, schlechte Ernährung und zahlreiche andere Faktoren haben diese Entwicklung bis heute weiter beschleunigt. Bleibt die Frage, wie Sie die motorische Entwicklung Ihres Kindes positiv beeinflussen können.

Was ist Motorik?

Um die Motorik eines Kindes effektiv fördern zu können, muss man sich als Erstes vor Augen führen, was genau mit dem Begriff „Motorik“ überhaupt gemeint ist. Als Motorik bezeichnet man alle aktiven vom Gehirn aus gesteuerten und koordinierten Bewegungen des menschlichen Körpers. Daneben wird die Motorik als die Lehre von den Funktionen der Bewegung des menschlichen Körpers und seiner Organe betrachtet.

Vereinfacht ausgedrückt ist Motorik also jede Art von gezielter körperlicher Bewegung. Viele Bewegungen werden dabei nach und nach von Kindern im Laufe ihrer Entwicklung erlernt. Die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten ist dabei nicht im Kleinkindalter abgeschlossen. Viel mehr können Kinder auch im Jugendalter ihre motorischen Fähigkeiten weiter entwickeln und Fördern.

Tatsächlich gehört zu jeder Form von Bewegung eine große körpereigene Leistung. Denn motorische Fähigkeiten benötigen ein exakt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von Muskeln und Nerven. Dabei muss das zentrale Nervensystem lernen, auf die Rückmeldungen verschiedener Sinnesorgane zielgerichtet zu reagieren.

Im Bereich der Motorik unterscheidet man noch einmal zwischen der Fein- und der Grobmotorik. Beide Bereiche sind gleichermaßen wichtig und können durch unterschiedliche Übungen gefördert werden.

Schon gewusst?

Bei der Unterscheidung zwischen Grob- und Feinmotorik geht es um die Art der Bewegungen. Von Grobmotorik spricht man bei klassischen Bewegungsabläufen von Armen und Beinen, das Halten und Bewegen des Kopfes sowie das einfache Greifen mit den Händen. Grobmotorische Bewegungen sind dabei zum Beispiel im Kindesalter das Krabbeln, später das Laufen, Springen oder Gehen. Generell dienen grobmotorische Bewegungsabläufe der Bewegung des ganzen Körpers.

Bei Feinmotorik spricht man von Dingen wie der Hand-Mund-Koordination, von feinen und fließenden Bewegungen und von gezielten Aktionen mit den Händen, Zehen und den Fingern. Aber auch Bewegungen der Gesichtsmuskulatur oder der Zunge gehören in den Bereich der Feinmotorik.

Wie kann ich die Motorik meines Kindes fördern?

Kommt es tatsächlich zu Problemen bei der Motorik, fallen grobmotorische Defizite als erstes auf. Solche können bei einem Kind beispielsweise vorliegen, wenn es viel stolpert und fällt. Auch das Erlernen grobmotorischer Abläufe wie Schwimmen, Treppensteigen oder Fahrradfahren fällt Kindern mit einem grobmotorischen Defizit oft schwer.

Feinmotorische Defizite zu erkennen, fällt Eltern hingegen oft schwerer. Hier gilt es, auf Dinge wie Grifftechniken zu achten. Fällt es Ihrem Kind beispielsweise ungewöhnlich schwer zu lernen, mit Messer und Gabel zu essen? Oder gelingt es Ihrem Kind nicht, einen Bleistift stabil zu halten und eine gerade Linie oder Kreise zu malen? Das können Anzeichen für feinmotorische Defizite sein.

Treten solche Defizite auf, ist es wichtig, die Motorik zu fördern. Wenn Sie bei Ihrem Kind die Motorik fördern möchten, gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. Generell können Sie ganz gezielt entweder die Grobmotorik fördern oder die Förderung der Feinmotorik ins Augenmerk fassen.

Tipp

Die motorische Entwicklung zu fördern, sollte Eltern grundsätzlich am Herzen liegen. Denn die motorischen Fähigkeiten eines Menschen haben auch einen essenziellen Einfluss auf die Fähigkeit der geistigen Beweglichkeit. Wer sowohl grob- als auch feinmotorisch gut entwickelt ist, hat auch mit komplexeren Gedankengängen in der Regel keine Probleme. Motorische Defizite können allerdings auch zu einer verminderten Aufnahmefähigkeit im Bildungsbereich führen.

Weil die Förderung der Motorik so wichtig ist, haben wir hier einmal eine Reihe von Möglichkeiten zusammengefasst, wie Sie die Motorik Ihres Kindes fördern können.

Grobmotorik fördern

Die folgenden Bewegungsabläufe und Spiele bieten Eltern eine gute Möglichkeit, die Grobmotorik ihrer Kinder über die Jahre der Kindheit hinweg immer weiter zu fördern:

  • Balancieren
  • Trampolin hüpfen
  • Fang- und Hüpfspiele
  • Treppen Steigen
  • Hüpfseil hüpfen
  • Roller fahren
  • Hindernisparcour bauen – dieser kann so gestaltet werden, dass Ihr Kind hier Klettern, Treppen steigen, Dingen ausweichen und hüpfen muss. Ein Pikler Dreieck kann hier vor allem in ganz jungen Jahren hervorragende Dienste leisten
  • Ballspiele aller Art – von Fußball über Basketball bis hin zu Spielen wie Baseball oder Volleyball. Da jedes dieser Spiele auf andere Art fördert, können sie auch regelmäßig parallel betrieben werden

Eine schöne Möglichkeit, Kleinkinder spielerisch an das Training motorischer Fähigkeiten heranzuführen, ist eine Indoor Rutsche. So kann Ihr Kind zu jeder Jahreszeit die Stufen seiner Rutsche hinaufklettern und die Körperhaltung beim Rutschen trainieren.

Feinmotorik fördern:

Wer die Feinmotorik seiner Kinder fördern möchte, findet dazu gerade in den kalten und dunklen Monaten des Jahres jede Menge Gelegenheit. Wer seine Kinder gern mal kreativ beschäftigt, ist in Sachen Förderung der Feinmotorik generell auf der sicheren Seite. Zur Förderung der Feinmotorik taugen unter anderem die folgenden Tätigkeiten:

  • Malen/Ausmalen – hier sind Bunt- und Filzstifte ebenso geeignet wie Wassermalfarbe. In den Sommermonaten können Sie auch auf Straßenmalkreide zurückgreifen.
  • Kneten
  • Fädelspiele mit Perlen und Schnüren – hier gibt es auch wunderbare Möglichkeiten, mit den Kindern eigene kindgerechte Schmuckstücke zu fertigen
  • Bauklötze bauen
  • Hämmerchen Spiele
  • Mikado
  • Weben mit Webrahmen
  • Fingerspiele
  • Papier oder Servierten falten
  • Laubsägearbeiten
  • Steckspiele

Übrigens:

Menschen mit einer guten und gesunden motorischen Entwicklung bewegen sich schon vom Gang her schwungvoller und mit schnellerer Gehgeschwindigkeit. Forscher haben festgestellt, dass Menschen mit Depressionen durch einen langsameren Gang, schlurfende Schritte und verminderte Bewegungen des Oberkörpers beim Gehen auffallen. Viele Experten ziehen daraus unter anderem den Schluss, dass Menschen mit Defiziten in der motorischen Entwicklung eher zu Depressionen neigen als solche mit einer gesunden motorischen Entwicklung in der Kindheit und der Jugend.

Fazit

Wer bei seinen Kindern die Motorik fördern möchte, hat dazu eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Grundsätzlich kann man allerdings sagen, dass Eltern, die regelmäßig mit ihren Kindern spielen und sich die Zeit nehmen, mit ihnen gemeinsam die Welt zu entdecken und sich sportlich betätigen, die motorischen Fähigkeiten ihres Kindes ohnehin schon kräftig fördern. Sollten Sie allerdings das Gefühl haben, dass bei Ihrem Kind motorische Defizite auftreten, kann es sinnvoll sein, mit dem Kinderarzt Ihres Vertrauens zu sprechen. Dabei sollten Sie allerdings auf keinen Fall vergessen, dass jedes Kind von Natur aus ein eigenes Entwicklungstempo hat.

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